Gestern hab ich beim Thema Deutsch-Holländisch, daneben zwei richtigere Alternativen zum Ausdruck des Sachverhalts angegeben. Wie so oft beschäftigte mich noch Stunden später, ob ich das nun richtig geschrieben habe. Und meistens bei dieser gefühlten Unsicherheit eben nicht! Was schonmal ein gutes Zeichen ist, meint man hier um mich rum, weil ich immerhin was merke. :-)
Und ich habe gestern eine Eselsbrücke gekriegt, wann ein Wort auf t und wann auf d endet. Das war nämlich das Problem: verschoont und afgehaalt müssen - in diesem Fall richtig - verschoond und afgehaald heißen.
Verben in Niederländischer Sprache
Verben in Niederländischer Sprache richtig zu schreiben, ist für unsereinen gar nicht so einfach. Zum einen gibt es da gewisse Unsicherheiten, ob denn nun Vokalverdoppelung oder nicht, die manchmal, aber nicht immer, stattfindet:
Meine Verunsicherung hat also zum einen was mit lange und kurze Vokale zu tun (Kommt nicht nur bei Verben vor, aber um die geht es grad). Zum Beispiel das Verb “gehen”: gaan
Ik ga, aber je gaat, hij, zij, het gaat… jullie gaan.
Oder das Verb “wohnen”: “Wonen” ist die Grundform in NL, der Wortstamm ist eigentlich won- ohne -en (Das ist eigentlich wie in D). Damit aber das lange O erhalten bleibt, wird im Präsens dann wie folgt mit zwei O geschrieben (1. Person Singular = wie Stammform, alle anderen zusätzlich ein t am Ende):
Ik woon
Je woont
hij/zij/het woont
Drittes Beispiel: sich kleiden: “kleden”: Überraschung!
ik kleed me aan
je kleedt je aan
hij/zij kleedt zich aan
wij/jullie/zij kleden ons/je/zich aan
Niederländisch - Frageform
In der Frageform ändert sich das dann wiederum. Da gibt´s ne Ausnahme, denn (nur) in der Du-Form bei einer Frage verliert das Verb seine Endung t wieder:
Woon je in…
aber
Woont ze in …
Eigentlich muss man die Regeln alle kennen und sich beim Schreiben-Wollen permanent selbst zuhören, um zu erkennen, ob man einen langen oder kurzen Vokal vor der Nase hat, um die richtige Schreibweise rauszukriegen, und die Endung auch noch richtig zu machen. Wobei man “dt” wie bei kleiden ja nicht hört, aber die Regel dazu glücklicherweise schon kennt! :-) Holländer sagen, dass das ganz einfach ist, man schreibt alles so, wie man es hört. Ich find´s echt schwer, vor allem, weil ich nicht immer sicher sein kann, dass gerade ich ein Wort auch richtig ausspreche!
Und dann gibt es auch noch Unterschiede in der Verb-Endung - manchmal mit t, manchmal eben auch mit d, die ich bis gestern nicht be-regeln konnte. Schwierig, wenn man Learning by doing praktiziert, und sich noch nicht die vollständige Grammatik reingepfiffen hat. Da ich in meinem Niederländisch-Lehrbuch (Taal Vitaal-Lehrbuch und Arbeitsbuch, kann ich sehr empfehlen, wird u.a. auch bei den Sprachkursen am Goethe-Institut in den Niederlanden verwendet, und es gibt eine Hör-CD dazu für Aussprachetraining) noch nicht weit genug gekommen bin (Les 4 - Lektion 4, dann kam der Umzug), habe ich mich also auch noch nicht mit der Vergangenheitsform beschäftigt, und so kannte ich die Regel für die d-Endung bis gestern nicht. Die hat nämlich mit Vergangenheit zu tun, wie ich jetzt weiß, und da ich zufällig verschoond und afgehaald, also zwei Verben in der Vergangenheitsform, sagen wollte, müssen die mit d, und nicht mit t, geschrieben werden.
Die Eselsbrücke habe ich mir mit dem verschonen gebildet:
Präsens: ik verschoon, je verschoont
Vergangenheit: ik verschoonde (da kann man das d tatsächlich hören, wenn man es sagt)
Vorläufig soll das mal als Stütze genügen, damit es hoffentlich besser geht.
Niederländer sagen wie viele Anderssprachige immer, dass Deutsch so schwierig sei. Sie haben größte Schwierigkeiten mit der, die, das, dem, den bei uns, weil es das in der Niederländischen Sprache überhaupt nicht gibt, sondern nur zwei Geschlechter: einheitlich “de” für männlich/weiblich/nicht-sächlich und het (”hät” *fg*) für Sächliches. Insofern sei Niederländisch ja viel einfacher. Stimmt aber gar nicht. Es gibt ne Menge gewöhnungsbedürftige grammatikalische Dinge, so dass man als arme Deutsche bei der Bildung eines einzelnen Satzes heftig das Gehirn einsetzen muss, um einigermaßen in die Nähe des Richtigen zu kommen.
Was nämlich auch schwierig ist, ist Adjektive richtig zu machen, deren Endung sich an der Sächlichkeit oder Nicht-Sächlichkeit des Substantivs, also dem de oder het, orientiert (Flexion der Adjektive). Und die Geschlechter der Substantive sind nicht immer wie bei uns, und damit gehts mit dem Adjektiv dann auch automatisch schief. :-(
Nederlands - einfach zu verstehen, schwierig zu sprechen, schwierig zu schreiben = in den Details schwere Sprache!