Oud en Nieuw (”oud en niu”=Silvester) in Holland unterscheidet sich nicht so sehr von Silvester in Deutschland. Es wird Feuerwerk (vuurwerk=”füürwerk”) gemacht, dass die Schwarte kracht. Die gesetzliche Regelung, wann Feuerwerk an Silvester abgeschossen werden darf, ist allerdings (zu meinem Leidwesen) leicht anders und nervig: In den Niederlanden dürfen Feuerwerksraketen, Kracher & Co. von 31.12., 10 Uhr, bis 1.1., 2 Uhr nachts, gezündet werden (Bei uns: 31.12. 24 Uhr bis 1.1. 24 Uhr). Effekt: Am 31.12. hat man hier ganztägig eine Ahnung davon, wie es wäre, wenn der 3. Weltkrieg ausbricht. Marodierende Jugendlichen-Cliquen ziehen durch die Wohnviertel und zünden Kracher und lautere Sachen über den ganzen Tag verteilt.
Mir erschließt sich nie, was das bringt, wenn doch noch gar nicht Silvester, also 0 Uhr, ist, und das alte Jahr also auch noch gar nicht ausgetrieben werden kann. Außerdem kann ich nicht verstehen, was genau an Krachmachen in dieser Form so toll ist, ich Spaßbremse. Und wahrlich, ich sage Euch: Das Kracher-Gen befindet sich definitiv auf dem Y-Chromosom, direkt neben dem Grillen-Gen! Kann nicht anders sein, und wird durch empirische Beobachtungen durch die Jahrzehnte immer wieder bestätigt.
Selbstreflexion: Gehöre ich jetzt langsam zum alten Eisen (Früher war alles besser…)? Nein, eigentlich nicht. Ich konnte Kracher & Co. schon als Jugendliche nicht ausstehen. Schnell verknallt, einen Haufen Dreck, u.a. im Garten, wo ich ihn später aufräumen muss, hinterlassend, und ohne jeglichen ästhetischen Gewinn, die Dinger, finde ich. Dagegen und auch gegen die billigen, minderwertigen Feuerwerksraketen, die ebenfalls wenig Effekt bringen, lob ich mir ein schönes Profi-Feuerwerk am Himmel, das faszinierend anzuschauen ist.
In vuurwerk sind die Niederländer jedenfalls ganz groß. Die Böller-Ausgaben für Feuerwerk in den Niederlanden beliefen sich nach Medienberichten dieses Silvester auf 67 Millionen. Bei 16 Mio. Einwohnern ist das doch ziemlich heftig. Wirtschaftskrise (economische crisis)? Keine Spur davon beim Silvester-Feuerwerken. Ansonsten gab es auch hier die üblichen Unruhen, Feuerwehr-Einsätze, Schlägereien und abgeschossenen Finger. Als kleines Kind habe ich mal zwei blutige, lose Finger eines Erwachsenen beim Feuerwerk-Anzünden separat rumfliegen sehen. Seitdem bin ich Feuerwerksraketen-traumatisiert und halte mich lieber möglichst fern vom gefährlichen Ort des Geschehens.
Vuurwerk und externe Effekte
Wann immer ich aus sicherer Entfernung in der Silvesternacht um 0 Uhr das rundum abgeschossene Feuerwerk am Nachthimmel genieße, denke ich neben der Millionen-Verschleuderung an gute alte Lehrinhalte aus der ökonomischen Studienzeit. Die sogenannten externen Effekte nämlich: Jemand (nämlich ich) kommt in den Genuss einer Leistung, ohne dafür zu bezahlen, während andere die Kosten dafür tragen. Bedauerlich, dass oft gerade die Leute mit dem wenigsten Geld am meisten für den Quatsch ausgeben. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Sinn darin gesehen zu haben, Feuerwerk kaufen zu gehen (Ok, irgendwann mal ein paar Wunderkerzen), und Brot statt Böller fand ich irgendwie von Anfang an gut. Ist ja auch sinnvoller.
typisches Niederländisches Silvestergebäck: Oliebollen, Krentenbollen, Appelflappen
Nieuwjaarsduik