Mein Lelystad - auf durch Landgewinnung trockengelegtem Polder - liegt natürlich am Wasser. Am IJsselmeer (”Eisselmeer” ode eher “Äisselmeer” gesprochen) und am Markermeer (”MarkRmeer” mit amerikanischem “r” *g*). Gleich beides, weil eine Straße auf Deich zwischen den beiden bei Lelystad beginnt. Und kein “Meer” davon ist ein Meer. In Niederländisch bedeutet “meer” See, und “zee” Meer. :-)
Früher war das IJsselmeer schon mal richtig Meer, nämlich eine Meeresbucht (Zuiderzee =”ssaödersee”), die tief (ungefähr 100 km lang, ungefähr 50 km breit) zwischen die Landflächen hineinragte. Durch den Bau eines langen Deiches (Afsluitdijk =”afslaötdäik” ->Abschlussdeich) in den dreißiger Jahren wurde aus der Meeresbucht ein riesengroßer Binnensee, der heute ein Süßwassersee bzw.-meer ist.
Beeindruckende menschliche Leistung! Muss man sich mal vorstellen: Quer durchs Meer von Landspitze zu Landspitze wurden einfach mal eben 32 km Damm gebaut, die das IJsselmeer vom richtigen Meer trennen. Seiner Größe wegen (Fläche ungefähr 2x Bodensee) sieht man das IJsselmeer auch auf jeder Deutschen Wetterkarte als riesengroße Einbuchtung oder Delle gegenüber von England. Daneben sieht man in der Bucht auch rechterseits der Wasserfläche wie zwei Nierchen die dem Wasser abgerungenen großen neuen Landflächen: den Nordoostpolder und den, auf dem Lelystad und Almere liegen. Zusammen bilden sie die Provinz Flevoland, deren Hauptstadt Lelystad ist.
Die übrigens nach Dr. Cornelis Lely benannt ist, einem Wasserbau-Ingenieur, der maßgeblich an der Planung der Trockenlegung der heutigen Polder durch die Zuiderzeewerke beteiligt war, und deshalb als monumentale Lely-Statue heute im Zentrum von Lelystad zu bestaunen ist:

Es sollte übrigens noch einen dritten Polder geben, auf der Fläche des heute noch bestehenden Markermeer. Das ist der südliche Teil der Bucht gen Amsterdam, das am untersten Zipfel der Wasserfläche liegt. Für die Trockenlegung von Land dort wurde bereits eingedeicht, d.h. mitten durchs Wasser zwischen Lelystad und Enkhuizen ein ca. 25 km langer Deich mit Straße drauf gebaut. Dieser ebenfalls beeindruckende Houtribdijk (”hautribdäjk”) trennt demzufolge Markermeer von IJsselmeer und ist heute als ganz normale Landstraße befahrbar. Es hat schon was Meditativ-Beruhigendes, mit dem Auto kilometerlang mitten durch das Wasser bis nach Enkhuizen zu fahren, und rechts und links nichts anderes zu sehen, außer Wasser und Seevögeln!



Erstmal sieht man nur Wasser, und viel später dann das Ufer mit der Stadt Enkhuizen (Besuchermagnet für Segeltörn-Urlauber).

Ob jedenfalls der dritte Polder auf der Markermeer-Fläche jemals gebaut wird, ist fraglich. Im Moment gibt es weniger Bedarf an neuem Land, und das Projekt wurde deswegen 1991 vorläufig gestoppt.
Sowohl IJsselmeer als auch Markermeer sind übrigens flache Pfützen, mit einer Tiefe von höchstens 4-5 Meter.
IJsselmeer und Segeln
Touristisch bekannt ist das IJsselmeer bei uns vor allem als Urlaubs-Region in Verbindung mit Segeln.

Viele Urlauber kommen das ganze Jahr hindurch hierher, und bringen ihr eigenes Segelboot gleich mit, haben es dauerhaft am IJsselmeer irgendwo in einem Segelboothafen liegen, oder heuern auf Segeltörn-Schiffen als Gruppen an.
Eine wunderschöne Umgebung ist das. Umso erstaunlicher, dass Lelystad als junge, geplante Reissbrettstadt ihr Zentrum nicht an den attraktiven IJsselmeer-Rand gelegt hat. Wenn man sich in der Stadt aufhält, merkt man überhaupt nicht die Nähe zum IJsselmeer, geschweige denn dass man es sieht. Als Urlauber will einem das überhaupt nicht in den Kopf. Als regulär hier lebender Mensch interessiert es vielleicht einfach nicht so. Schließlich haben die Niederländer Wasser im Überfluss. :-)
Sehenswürdigkeiten am Ijsselmeer in Lelystad
Batavia Stad - ein riesige Outlet-Stadt, in der Markenklamotten erstanden werden können
Das Polder-Museum, das die Geschichte der Landgewinnung und des IJsselmeers näher beleuchtet
Batavia Werf. Dort werden historische Schiffe nach alter Machart gebaut, und die Replik des Segelschiffs Batavia kann besichtigt werden.
Nicht gar zu weit entfernt auf der Flevoländer Seite liegt das ehemalige Fischerdorf Urk, das auch ganz putzig ist. Und lecker-frischen Fisch essen kann man da gehen. ;-)
Sehenswürdigkeiten am IJsselmeer in Enkhuizen
Enkhuizen ist sowieso einen Besuch wert. Historische niederländische Häuschen, niedliches Städtchen. Das Titelfoto oben im Blog ist zum Beispiel aus Enkhuizen. Ein Stadtrundgang in Enkhuizen mit Dromedaris, Kirchen usw. ist mir die Tage einen eigenen Beitrag wert. Daneben kann man von dort aus Bootstouren übers IJsselmeer buchen, Segeltörn buchen, eigenes Segelboot anlegen usw. (drei Häfen für Wassersportler, Camping, Hotels…).
Weitere Urlauber-Locations am IJssselmeer auf der Enkhuizener Seite: Ganz in der Nähe liegen noch die Städte Hoorn und Edam (Käse!). Dort war ich aber bis jetzt noch nicht.